Einfach anfangen – Ordnung und Minimalismus im Bad
- Sarah Armborst
- vor 3 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
Hallo,
schön, dass du da bist.
Letztes Jahr war ich kurz davor, einen weiteren Badezimmerschrank zu kaufen, weil ich einfach keinen Platz mehr für meine Kosmetik und Pflegeprodukte hatte. Der Spiegelschrank, der Waschbeckenunterschrank und die prall gefüllten Körbchen auf den Schränken reichten auch nicht mehr aus. Gedanklich hatte ich den Schrank schon gekauft und eingeräumt, bis mir aufgefallen ist, dass ich die meisten Produkte nie nutze.
Anstatt noch mehr Geld für die Lagerung von Dingen auszugeben, habe ich erstmal radikal aussortiert. Es durfte alles gehen, was ich nicht benutze, schon längst überfällig war oder mich gestresst hatte. Anstatt mir eine Wellnessoase zu kreieren, habe ich einen Ort voller Chaos und Stress geschaffen. Manchmal hat man ja auch noch Dinge, die man überhaupt nicht mag, aber man behält sie noch, weil sie entweder viel Geld gekostet haben oder ein Geschenk waren, oder man der festen Überzeugung ist, dass man ohne die 10 verschiedenen Anti Falten Cremes 50 Jahre älter aussieht als man eigentlich ist.
Ich habe dir eine Liste mit Dingen geschrieben, die du in deinem Bad sofort aussortieren kannst, für mehr Platz und vor allem mehr Leichtigkeit.
•Kosmetik & Make-Up

Die meisten von uns haben den ein oder anderen Kosmetik Fehlkauf hinter sich. Der Lippenstift, der uns blass wirken lässt, der Lidschatten, der unsere Augen nicht betont, gar nicht zu uns passt und uns sowieso nur den Kulturbeutel von innen verschmiert. Ich hatte eine ganze Kiste voll mit solchen Fehlkäufen. Eine große Kiste.
Make-Up: Zum einen trage ich total ungerne Foundation und Puder, weil ich das Gefühl auf der Haut nicht mag und zum anderen sieht es in Echt dann doch nicht so makellos aus wie auf Social Media oder in der Werbung, oh Wunder. Außerdem war mir das zu viel mit Primer, Foundation, Highlighter und Co. Make-up kann nicht nur sehr kosten-, sondern auch zeitintensiv sein.
Lippenstifte: Hier hatte ich zumindest zur Hälfte die richtigen Farben. Laut Farbtypen können wir uns grob in kühl oder warm, gedeckt oder kontrastreich, hell und dunkel einteilen. Außerdem trage ich seit Jahren keine Lippenstifte mehr und hatte aber alle aufgehoben. Einige waren sicher 10 Jahre alt. Wenn ihr mal auf eure Kosmetik Packungen schaut, dann werdet ihr dort ein kleines Bild von einer Dose mit einer Zahl darin finden. Das sind die Monate, wie lange sich ein Produkt nach dem Öffnen hält. Die meisten Produkte halten sich entweder 6, 12 oder 24 Monate. Mit den 10 Jahren war ich definitiv weit über das Maximum hinaus. Also durften erstmal alle abgelaufenen Kosmetika gehen. In abgelaufenen Kosmetika bilden sich übrigens auch Bakterien, Keime und Pilze. Inhaltsstoffe zerfallen und es können plötzlich Hautirritationen und Allergien auftreten. Mir sind von einer abgelaufenen Wimperntusche mal meine Wimpern ausgefallen. Mit dem Wissen im Hinterkopf könnt ihr eure abgelaufene Kosmetik wirklich ohne Reue entsorgen.
Lidschatten: Auch beim Lidschatten durfte ich mich alleine aufgrund der Haltbarkeit von allem trennen.
Nagellacke: Auch Nagellacke haben ein Verfallsdatum. Wenn du eine Farbe hast, die dir absolut nicht gefällt, dann entsorge sie auch. Du musst sie weder mit schlechtem Gewissen aufbrauchen, noch für die Ewigkeit lagern.
•Haar- und Hautpflege-Produkte,
die schon lange geöffnet sind, nur halb verbraucht, die du nicht magst oder nicht verträgst. Verbrauche sie nicht, sondern entsorge sie. Ich habe die Sachen entweder mit ungutem Gefühl versucht aufzubrauchen, oder total viel davon auf einmal benutzt, damit sie schneller leer werden.
„Aber halbvolle Flaschen wegwerfen ist nicht nachhaltig.”
Doch, ist es.
Denn der Müll ist bereits bei der Produktion und beim Kauf entstanden. Viele Produkte enthalten auch Mikroplastik und andere Chemikalien, die schlecht für die Umwelt, deine Haut und den Wasserkreislauf sind.
Kosmetik und Pflegeprodukte habe ich also nach 3 Kategorien aussortiert. Haltbarkeit, Inhaltsstoffe und Häufigkeit der Benutzung. Um nach Inhaltsstoffen auszusortieren, habe ich einfach eine App benutzt, mit der man den Barcode des Produkts scannt und dann die Inhaltsstoffe mit Erklärung angezeigt bekommt. Bei einigen Inhaltsstoffen war ich super schockiert, was ich mir da alles ins Gesicht und auf den Körper geschmiert habe. Als ich bei mir im Badezimmer auf dem Boden saß, meine ganzen Produkte um mich herum auf dem Boden verteilt und fleißig gescannt habe, habe ich mich gefühlt, als würde ich in einem Chemielabor sitzen und gerade den Schrank mit den Chemikalien neu sortieren.
Richtig Entsorgen
Produkte mit Resten werden nicht über die gelbe Tonne bzw. den gelben Sack entsorgt, sondern in den Restmüll. Die Produkte sollten vorher auf keinen Fall über den Abfluss entleert werden. So wandert das Produkt direkt in den Wasserkreislauf.
Ich habe bei mir radikal ausgemistet und auch das ganze Putzmittel direkt dazu und das an einem Schadstoffmobil abgegeben. Das ist hier ein Service der Entsorgungsbetriebe, die in verschiedenen Stadtteilen mit einer mobilen Sammelstelle für Chemikalien unterwegs sind und wo man diese dann abgeben kann.
•Proben
Wer kennt es nicht? Diese ganzen kleinen Proben, die man von überall herbekommt und die man sich für den nächsten Urlaub aufsparen will und diese dann doch nicht mitnimmt und benutzt. Ich hatte auch unglaublich viel von solchen Produktproben und absolut keine Ahnung mehr wo die überall herkamen. Da die Produkte verschlossen waren, habe ich sie in ein Sozialkaufhaus gegeben.
•Parfüm
Ja, Parfüm kann teuer sein. Das ist aber trotzdem noch kein Grund, ungeliebtes Parfüm aufzubewahren. Auch wenn es ein Geschenk war, musst du es nicht bis zu deinem Lebensende bei dir lagern. Und auch bei Parfüm gilt, dass es eine bestimmte Haltbarkeit hat und auch hier habe ich bei mir wieder nach Inhaltsstoffen aussortiert.
•10-Steps-Skincare Routine
Das Versprechen bei einer 10-Steps-Skincare Routine ist, dass man die perfekte Haut bekommt und ich habe mich da stark influencen lassen, dass ich für jedes Hautproblemchen verschiedene Seren hatte. Ich glaube, morgens waren es 5 und abends 3 oder 4. Dann noch vorher einen Primer und danach verschiedene Cremes. Eine für den Tag, eine für die Nacht und so weiter. Ich habe Produkte im Wert von mehr als 200€ dort stehen und Probleme gesehen, die gar keine Probleme sind. Eine Haut hat halt mal Rötungen und auch Poren. Das andere Problem an der Sache war, dass so eine lange Routine als Wellness vermarktet wird. Mich hat das nur noch mehr gestresst. Einerseits weil ich mir ständig Gedanken um Probleme und deren Lösung gemacht habe, die gar nicht existieren und andererseits, weil das sehr zeitintensiv war. Als ich meine Routine minimalisiert habe, habe ich damit auch den Stress und die Probleme minimalisiert.
•Hair Care Routine
Bei einer Hair-Care Routine war das dasselbe. Neben Shampoo, Conditioner und Co habe ich noch 6 weitere Produkte für meine Haare gehabt zu pflegen und stylen. Auch hier habe ich viel Geld und Nerven gelassen, bis ich das minimalisiert habe.
•Cremes für verschiedene Körperstellen
Eine fürs Gesicht, eine für die Hände, eine für die Lippen, eine für den Körper, dann noch bestimmte für tags, nachts, einmal wöchentlich oder einmal monatlich. Eigentlich reicht eine gute Creme, Lotion oder Öl. Der Rest kann weg.
•abgelaufene Medikamente
Wann hast du zuletzt deine Medikamente auf ihre Haltbarkeit überprüft? Mittlerweile schaue ich so alle 3-6 Monate mal rein und sortiere aus.
•alte Handtücher
Wenn du ein großes Sammelsurium aus diversen Handtüchern hast und nicht alle nutzt dann kannst du auch hier einmal großzügig aussortieren. Schaue einfach mal, wieviel du so pro Woche, oder pro Waschrhythmus, nutzt und dann kannst du die restlichen aussortieren. Wenn dir Ästhetik wichtig ist, dann könntest du dir auch überlegen einmal einen Satz neue Handtücher zu besorgen. Das macht vor allem Sinn, wenn du deine Handtücher offen lagerst. Wenn alle dieselbe Farbe haben, dann bringt das auch mehr Ruhe in dein Badezimmer und du kommst deiner Wellnessoase näher.
Alte Handtücher musst du nicht wegwerfen, denn Tierheime nehmen diese gerne an.

•Große Vorräte
10 Shampoos, 20 Seifen, 40 Packungen Wattestäbchen. Deine Wohnung ist kein Lager, das Lager ist in den Drogeriemärkten und du kannst dir dort jederzeit Sachen holen. Du zahlst einmal für das Produkt und einmal für die Lagerung. Jeder qm deiner Wohnung kostet Geld und Möbel zur Aufbewahrung kosten ebenfalls Geld und ggf. noch Ordnungsboxen. Also mach deine Wohnung nicht zu einem Lagerhaus, sondern nutze einfach die Drogerie als Lager.
•diverse Haartools die nicht oder kaum genutzt werden
Zum Beispiel sowas wie Locken Tools, oder Geräte die du selten oder nie benutzt, oder vielleicht auch nicht gerne benutzt. Manchmal behalten wir auch halb kaputte Haargummis oder Haarklammern, nur für den Fall. Aber meistens tritt dieser „Fall“ nie ein. Entsorge auch hier kaputte Sachen, Sachen die nicht benutzt werden oder du einfach auch nicht magst.
•Armada an Kosmetikpinseln
Außer du bist Kosmetikerin oder hast schminken als Hobby und nutzt auch alle. Im Normalfall benötigt niemand von uns 30 verschiedene Make-up Pinsel.
•Einweg Produkte
Feuchttücher, Abschminktücher oder Einwegrasierer. Diese sind weder nachhaltig noch besonders sanft zur Haut.
•Deko
Das nicht nur für das Badezimmer, sondern für die ganze Wohnung oder Haus. Hier ist weniger mehr. Eine Sammlung an verschiedenen Dekoartikel wirkt schnell überladen, unruhig und billig. Die meisten Minimalisten setzen auf wenige und natürliche Dekoration, wie eine Schale aus Holz oder eine Kerze.
Was ich nicht mehr besitze bzw. ersetzt habe
•Flüssiges Shampoo –> Haarseife 2-4% Überfettung
•Duschgel –> Aleppo Seife
•Conditioner –> saure Rinse
•Locken Tools –> Föhn und Glätteisen, welches ich selten nutze
•Locken Produkte, allgemein Haar Produkte –> lediglich Trockenshampoo wenn's schnell gehen muss und K18, was ich aber nur noch aufbrauche
•Make-Up: Primer, Foundation, Highlighter, Rouge, Lippenstifte, Lidschatten und Co, habe ich als Jugendliche und junge Erwachsene Schicht für Schicht aufgetragen –> Aktuell besitze ich noch einen Concealer für den Notfall (Augenringe),einen braunen Eyeliner und einen braunen Mascara.
•Nagellack –> nutze ich seit Jahren nicht mehr, weil mir der Aufwand für die kurze Zeit, in der der Nagellack schön aussieht, zu viel ist.
•Einwegrasierer oder Mehrklingen Rasierer –> Rasierhobel, Austauschbare klingt, super scharf und nachhaltiger, weil kein Plastik mit weggeworfen wird und ständig neu produziert wird
•10-Steps-Skincare Routine inkl. 8 verschiedener Seren –> Seife, Serum, Creme und Sonnencreme – die minimalistische Pflegeroutine besteht aus: reinigen, pflegen, schützen
•Putzmittel –> habe ich komplett gegen Citronensäure mit Wasser getauscht, hilft wunderbar gegen Kalk
Wie sieht es in deinem Badezimmer aus – Wellnessoase oder Chemie-Lager?
Welches Teil darf bei dir heute sofort ausziehen?
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