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Low Buy Challenge

  • Autorenbild: Sarah Armborst
    Sarah Armborst
  • 19. Juli
  • 8 Min. Lesezeit

Hallo, schön, dass du da bist.


Ich habe gesündigt. Also nicht wirklich, aber ich bin wieder in meine alten Kaufsucht-Muster gefallen. Ich habe mir wieder Kleidung bei Sellpy bestellt und mir natürlich wieder die alten

Geschichten erzählt, warum ich jetzt unbedingt fünf weiße Kleider brauche, bzw. warum ich denn überhaupt wieder was kaufen musste. Von Zeit zu Zeit falle ich in alte Konsummuster zurück:

Früher habe ich sehnlichst auf das neue Gehalt gewartet, damit ich endlich wieder bestellen konnte. Die Ware war natürlich schon im Warenkorb, damit das alles schneller geht. Wenn es zum Ende des Monats ging habe ich jeden Morgen, direkt nach dem Aufwachen und VOR dem ersten Kaffee (und das will schon was heißen) auf meine Konto geschaut, um zu sehen, ob das Gehalt denn nun endlich da ist. Und wenn es dann da war, dann habe ich direkt auf bestellen geklickt. Einige Tage später wusste ich schon gar nicht mehr was ich alles bestellt hatte und wo. Der Paketbote hätte mir auch ein Pferd oder Einhorn liefern können und ich hätte es nicht hinterfragt, weil ich dermaßen den Überblick über meinen ganzen Konsum verloren hatte. Zum Ende meiner Konsum Ära und vor meiner Minimalismus-Zeit war ich so weit, dass, nachdem ich Kleidung bei Shein bestellt hatte, am nächsten Tag nochmal was bestellt hatte, weil ich das Gefühl hatte, dass das nicht reicht und ich noch wichtige Sachen vergessen hatte.



Wie kann es soweit kommen, dass man seinen Konsum nicht mehr unter Kontrolle hat? 1. Die Suche Shopping fungiert als Dopaminquelle, egal ob online oder offline. Wenn wir ein Geschäft betreten und uns umsehen, dann schüttet unser Gehirn die erste Dopaminwelle aus. Der Anblick neuer Produkte signalisiert unserem Gehirn eine mögliche Belohnung und daraufhin wird alleine schon beim reinen Schauen nach Produkten Dopamin ausgeschüttet, als Vorfreude und in Erwartung einer Belohnung. Als Verstärker dieser Vorfreude auf eine Belohnung werden Sale Schilder eingesetzt. 2. Der Fund Sobald man das perfekte Produkt oder das unwiderstehliche Schnäppchen gefunden hat, ist der Dopaminspiegel am höchsten. In dem Moment, in dem das Produkt im Warenkorb landet gibt es für uns die höchste Belohnung und unser Gehirn feuert fleißig das Dopamin raus. In der damaligen Zeit waren solche Funktionen im Gehirn wertvoll, wenn man jagen oder sammeln war, da man so einen Anreiz hatte mehr Essen zu sammeln und das unser überleben gesichert hatte.


3. Der Kauf Sobald wird das Produkt an der Kasse bezahlt haben und es voll umfänglich uns gehört, ist der Dopaminspiegel eigentlich schon wieder gesunken und nicht bloß aufs Normalniveau zurück, wie vor dem Kauf, sondern noch darunter. Wie bei einem kleinen Mini-Entzug, was uns sofort wieder dazu verleitet nach dem nächsten Produkt Ausschau zu halten. Wenn ich in Geschäften shoppen war, dann habe ich auf dem Weg nach Draußen nochmal ganz genau die Produkte angeschaut, um mich zu vergewissern, dass ich ja nicht das perfekte Teil habe liegen lassen. Beim online Shopping kommt in vielen Apps nach dem Kauf direkt eine Seite mit „das könnte dir auch gefallen“. Auch dort habe sehr viel Zeit nach dem kaufen verbracht. 4. Die Lieferung Wenn es ums Online Shopping geht, dann gibt es während der Lieferzeit einen kleinen Dopaminschub, der noch dadurch bestärkt wird, dass wir nicht die genaue Lieferzeit kennen. Das lässt sich ungefähr mit der Suche nach dem perfekten Produkt vergleichen, oder das endlose Scrollen und das nicht-Wissen, ob und wann dieses Produkt uns in die (virtuellen) Hände fällt.

Exkurs: Tools und Tricks der Händler um uns zum Kauf zu manipulieren

Die Geschäfte haben mittlerweile eine ganze Menge Tools und Tricks, um uns zum Kaufen

zu animieren und zwar viel mehr, als wir eigentlich wollen und denken. Rolltreppen sind in den Geschäften so aufgebaut, dass, wenn wir das Geschäft verlassen wollen, immer wieder abgelenkt werden. Währenddessen wird das limbische System (das Hauptzentrum der Emotionen) durch Beleuchtung und Düfte und schöne Musik angesprochen. Geschäfte sind so aufgebaut, dass wir beim Reinkommen völlig visuell überwältigt sind, unseren Einkaufszettel vergessen und unser Gehirn auf Impulskäufe switcht. In diesen Momenten habe ich dann wieder alle möglichen Duschgels im Einkaufskörbchen und überlege mir, dass ich mir doch mal die Haare blondieren sollte. Geschäfte sind teils so verschachtelt aufgebaut, dass sie eine Desorientierung provozieren und plötzlich hat man im Möbelhaus drei neue Kissen und eine Kerze in der Hand, obwohl man einen Stuhl brauchte. No Buy – Low Buy

Wenn man sich mit Low Buy oder No Buy beschäftigt, um seinen Konsum einzuschränken, dann ist es sinnvoll sich erst mal mit Konsum zu beschäftigen und warum wir Sachen kaufen, die wir nicht wirklich benötigen und auch ursprünglich gar nicht haben wollen. Das Wissen hilft dir hier den Impuls vor dem Kauf zu beobachten und ihm nicht blind nachzugehen. Denn ansonsten wird eine Low/No Buy Challenge schnell zur Selbstbestrafung: „Ich habe schon wieder so viel bestellt, nächsten Monat kaufe ich NICHTS“ So staut sich einfach nur der Kaufwunsch oder Kaufdruck auf und die Phasen aus Kaufrausch und Kaufzölibat wechseln sich ab, was definitiv nicht Sinn der Sache ist. Die Challenge dient dir eher als Befreiung von Impulskäufen, Kaufsucht, finanziellen Schäden, Platzmangel. In so einer Challenge darfst du, und vor allem ich jetzt wieder, erfahren, dass Kaufwünsche kommen und gehen. So wie Wolken, die am Himmel vorbeiziehen.


Unterschied No Buy – Low Buy

Der Unterschied zwischen einer No Buy und Low Buy Challenge liegt vor allem in den Regeln, der Dauer und dem Ziel. Natürlich kannst du für deine Challenge immer deine eigenen Regeln und Dauer festlegen. Während eine No Buy Challenge meist den Konsum komplett einschränkt, ist bei Low Buy Challenges der Konsum reglementiert. Das bedeutet zum Beispiel, dass du dir dein Shampoo nachkaufst, wenn du eins benötigst, oder dass du dir eine bestimmte Anzahl oder einen bestimmten Warenwert im Monat zur freien Verfügung stellst. Ein Beispiel wäre, dass man sich im Monat nur zwei Bücher kaufen darf, oder insgesamt nur ein Teil, oder einen Betrag von 100€ für das Shopping bereitstellt.


Durchführung Low Buy

Schritt 1 - Ziel definieren Wie immer, wenn du etwas beginnst und möchtest, dass es funktioniert, solltest du dir vorher ein Ziel festlegen und dein Warum kennen.

Warum möchtest du deinen Konsum einschränken? Wie geht es dir mit deinem aktuellen Konsum?

Was ist dein ganz konkretes Ziel? Hast du Schulden? Oder möchtest du für eine Reise sparen? Oder möchtest du vielleicht einfach weniger Kaufdruck im Alltag spüren?


Je konkreter du dein Ziel formulierst und je mehr du dir dieses Ziel vorstellst, desto wahrscheinlicher ist es, dass du es erreichen wirst.

Wie wirst du dich fühlen, wenn du dein Ziel erreicht hast? Und hier darfst du dir die Erlaubnis geben, dass ein wenig mehr kommt als „gut“. Versuch das Gefühl wirklich mal zu fühlen und schau, was dort kommt. Ist das Freude, Zufriedenheit, oder Freiheit?


Schritt 2 - Regeln und Dauer abstecken

Eine Low Buy Challenge sollte schon mindestens 3 Monate dauern und kann ruhig bis zu einem Jahr ausgeweitet werden (oder länger, aber dann würde ich das eher als Lifestyle benennen und weniger als Challenge). Wenn du noch nie eine Low Buy Challenge gemacht hast, dann würde ich dir raten, mit 1 - 3 Monaten zu beginnen. Wenn man sich die Challenge für einen zu langen Zeitraum setzt, dann steigt das Risiko, dass man scheitert. Aber du solltest mit einem guten Gefühl die Challenge beenden können.


  • Für den schnellen Erfolg und Einstieg: 1 Monat

  • Um deine Gewohnheiten kennenzulernen und zu ändern: 3 – 6 Monate

  • Für Fortgeschrittene, oder bei hohen Schulden: 1 Jahr


Bei der Low Buy Challenge teilst du Produkte in Kategorien ein. Erlaubt, Verboten, Eingeschränkt und Ausnahmen Erlaubt: Hier gehört alles rein, was du nachkaufen darfst. Das könnten z.B. Lebensmittel, Zahnpasta, Medizin usw. sein. Verboten: Hier gehört alles hin, was du in der von dir festgelegten Dauer nicht kaufst wie z.B: Kleidung, Dekoration, Elektronik, Kerzen, Coffee to Go, Möbel... Eingeschränkt: Hier kommt alles rein, was du dir zwar erlaubst, aber nur in einem gewissen Rahmen. Z.B. ein Kleidungsstück im Monat, einmal im Monat Essen liefern lassen oder maximal zwei Restaurantbesuche


Ausnahmen: Hier kommen Ausnahmen hin, damit deine Challenge im Alltag funktionieren kann. Dafür schau dir einmal den Kalender an und schreibe all das auf, was in der Zeit deiner Challenge anstehen könnte. Ziehst du um und benötigst Tapete? Hast du einen Urlaub geplant? Wer hat Geburtstag? Reparaturen gehören ebenfalls zu den Ausnahmen.

Schritt 3 Inventur Wie viele Duschgels hast du im Schrank?

Benutzt du dein komplettes Make-Up?

Wie viele Socken ohne Partner liegen in deiner Schublade?

Wie lange halten sich noch deine Küchenvorräte und hast du dort überhaupt noch Platz in den Schränken?

Schon alle Bücher gelesen?


Mache eine richtige, schriftliche Inventur von deiner Kosmetik, Kleidung, Gewürzvorräten,... Der Grund dafür ist, dass du aus dem Mangeldenken herauskommst.

Wenn du siehst, dass du noch 13 Duschgelflaschen im Schrank hast, ist die Chance geringer, dass du bei deinem nächsten Drogeriebesuch die 14. Flasche mitnimmst.


Außerdem ist das ein wunderbarer Vorher-Nachher Vergleich. Und mache auch unbedingt Vorher-Nachher Bilder. Ich vergesse das leider immer wieder und ärgere mich jedes Mal. Denn so sehen wir am besten unsere Fortschritte und können uns daran erinnern, wenn wir mal wieder das Gefühl haben sollten, dass es nicht weitergeht.

Schritt 4 Wunschliste Wenn ein Wunsch auftaucht, dann schreibe ihn dir auf und warte während der Challenge für einen für dich angemessenen Zeitraum. Viele empfehlen drei Tage zu warten, bis man sich das Produkt kauft, allerdings weiß ich bei mir, dass drei Tage nicht reichen werden. Daher werde ich 30 Tage warten, bis ich dieses Produkt doch kaufe.  

Meine Low Buy Challenge – Fokus Kleidung und Impulskäufe Ziele:

  • Geld sparen für einen großen Urlaub im Jahr 2027 nach Schweden

  • Kleidung im Kleiderschrank reduzieren, damit dieser übersichtlicher wird und irgendwann eine Capsule Wardrobe haben, um maximal viele Teile tragen zu können (keine Schrankleichen mehr)

  • Alle Bücher im Bücherregal lesen

  • Impulskäufe und Kaufdruck reduzieren

  • Nicht in die alte Kaufsucht zurückfallen

Dauer: Ab Beginn der Veröffentlichung der Folge bis zum 31.12.2026 Erlaubt Lebensmittel, Hygieneartikel, wenn die alten Produkte leer sind, Supplements, ggf. Medikamente, Benzin (tanken), Haare schneiden lassen

Verboten Dekoration, Möbel, Kosmetik, Putzmittel (da ich auf selbstgemachte umsteige), Elektronik, Wanderzubehör, Sportzubehör, Stifte, Stoffe, Näh- und Häkelutensilien, Geschirr oder Besteck (da ich mit hübschem Geschirr gerade liebäugle, obwohl meins völlig in Ordnung ist), Vorratskäufe, Küchengeräte, Taxi/Uber, Belohnungskäufe, Accessoires, Schmuck


Eingeschränkt Barfuß-Winterschuhe, Barfuß-Wanderschuhe , Sofa, Kratzbaum, eine Balkonpflanze oder Samen pro Monat, maximal 3 Bücher pro Monat, maximal einmal im Monat Essen bestellen, maximal zwei Restaurantbesuche, Süßigkeiten, Kaffee und Brötchen to Go nur wenn es wirklich notwendig ist, Dinge, die länger als 30 Tage auf der Wunschliste sind


Ausnahmen

Reparaturen, Ausflüge, Kunst und Kultur, Reisen, Geschenke, Kurse und Webinare, Unvorhergesehenes und Unaufschiebbares



Wunschliste Auf der Wunschliste werden Wünsche schriftlich mit Datum festgehalten. Nach etwa 30 Tagen wird die Liste nochmal kontrolliert und ich stelle mir folgende Fragen:


BRAUCHE ich das?

Brauche ICH das?

Brauche ich DAS?


Hier liegt der Fokus jeweils auf einem anderen Wort und somit ändert sich die Bedeutung. Sprich das ruhig mal mit entsprechender Betonung laut aus. Dann sollte sich das eigentlich von selbst erklären. Gibt es Gründe, warum ich das nicht brauche? Habe ich Alternativen zu Hause?


Wenn die drei oberen Fragen mit „Ja“ und die beiden unteren mit „Nein“ beantwortet werden und die Wartezeit abgelaufen ist, dann darf das Produkt gekauft werden. Und jetzt du? Denke daran, dass eine Low Buy Challenge kein Gefängnis ist, sondern der Schlüssel zu deiner eigenen Freiheit. Ich lade dich ein, diesen Weg ein Stück mit mir zu gehen – oder deine ganz eigenen Regeln aufzustellen. Machst du mit? Schreib mir unbedingt in die Kommentare, bei welcher Kategorie du am ehesten schwach werden würdest!


 
 
 

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